28. Juni 2015

Gerben wie die Indianer

 

 

Vom Hirschfell


 

zum Wildleder


 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellung und praktische Vorführung im Rahmen des

21. Waldfestes in Menz

 

Was für eine schöne Veranstaltung!

Ich bin noch immer ganz berührt von den intensiven Gesprächen mit den vielen interessierten Besuchern an meinem Stand auf dem gestrigen Waldfest in Menz (Brandenburg).
Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, daß sich so viele verschiedene Menschen für die alte Kunst der Hirngerbung interessieren. Da kamen Eltern mit ihren kleinen Kindern an der Hand, die ganz ehrfuchtsvoll und vorsichtig die Felle berührten. Ältere Besucher/innen die ganz erstaunt waren, daß es „sowas“ heute noch gibt. Jäger die sich jeden einzelnen Arbeitsschritt erklären ließen. Ein ehemaliger Kürschner, der mit seinem ca. achtjährigen Enkel unterwegs war und der den ganzen Nachmittag immer wieder kam (der Enkel), mir schier Löcher in den Bauch fragte und nebenbei alle um den Stand herumliegenden Federn einsammelte und sie auch bestimmen konnte. Eine ehemalige Lederschneiderin, deren Griff ins Leder mir verriet, daß sie irgendwas mit Leder zu tun hat, bevor wir richtig ins Gespräch kamen. Lehrer aus der Region die nach Programmen für Schulklassen fragten uns natürlich war mein Stand auch eine Attraktion für alle vierbeinigen Besucher, die sich wahrscheinlich fragten, warum ihre Kauknochen plötzlich Haare haben 😉 (ich hatte viele Rohhäute dabei). Tränen gelacht haben wir, als ein großer Hund das aufgespannte Dachsfell anbellte und offensichtlich irritiert war, daß der Dachs nicht vor ihm weglief.

Mein Sohn hatte seine selbstgemachten Stein-Pfeilspitzen ausgestellt und zeigte die Kunst des Flintknappings oder machte gelegentlich eine praktische Vorführung mit dem Feuerbohrer.

 

 

 

 

 

Selbst die z.T. heftigen Regenschauer am
Nachmittag konnten die Stimmung nicht wirklich verderben und die, auf der schnell gespannten Leine, aufgehängten Felle wurden wiederum zu einem Besuchermagnet.

 

 

 

Sehr schön war es auch Wildnis-Kollegen aus der Region kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen.

Was mich jedoch am meisten berührt hat, war die Veränderung die in den Gesichtern der Menschen vor sich ging, wenn ich ihnen im Laufe unseres Gespräches ein Stück fertig gegerbtes, weiches Wildleder in die Hand gab. Es war als ob ganz viel Spannung von ihnen abfiel. Alle Skepsis bezüglich der „vielen Arbeit“ und des Gerbmittels „Hirn“ schien plötzlich vergessen. Unvergesslich der Moment als ein kleines, offensichtlich neugieriges, aber noch schüchternes Mädchen die Hand ausstreckte um das Leder, das ich ihr hinhielt anzufassen. Ganz vorsichtig näherten sich ihre Finger dem Leder und in dem Moment als sie es berührte verwandelte sich ihr ganzes hübsches Gesicht in ein einziges Lächeln. Allein dafür hätte sich der ganze Tag gelohnt.


 

 

 

 

 

Ich bin sehr dankbar für die ausnahmslos positive Resonanz die meine Ausstellung zum Thema Hirngerbung hervorgerufen hat. Eine bessere Bestätigung und Motivation diesen Weg weiterzugehen, meine Erfahrungen und mein Wissen zu teilen, gibt es für mich nicht. Ganz besonders möchte ich mich an dieser Stelle bei den Veranstaltern und den Mitarbeiterinnen vom Naturparkhaus Stechlin in Menz bedanken, durch deren Engagement diese Veranstaltung überhaupt möglich ist. Mein Dank geht auch an die Tiere deren Häute ich erstmals im wahrsten Sinne des Wortes „zu Markte getragen“ habe. Dank auch an die Menschen die dieses alte Wissen bewahrt und weitergegeben haben und von denen ich lernen durfte. Und ich danke meinem Sohn der sich wieder und wieder auf die wilde Arbeit mit seiner Mama einläßt. Danke an die Sonne und den Regen die jeder auf seine Art den Tag bereichert haben.

 

Zu meinen aktuellen Veranstaltungsterminen geht es hier: Termine

Gerne können Sie mich mit der Ausstellung „Gerben wie die Indianer“ für Ihre Veranstaltung buchen: Kontakt

 

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